Willem Buiter: Das Schlimmste steht Europa noch bevor

Griechenland habe sich durch seine Schuldenrestrukturierung zwar vorerst ein wenig Ruhe an den globalen Finanzmaerkten verschafft, waehrend die EZB munter Liquiditaet in Europas Bankensystem pumpe. Allerdings werden sich diese Massnahmen laut Willem Buiter, Chefoekonom der Citigroup, nicht als erfolgreich erweisen, um die zugrundeliegenden Wirtschaftsschaeden zu beseitigen. Das Schlimmste stuende Europa hingegen erst noch bevor.

Die EZB habe Europas Bankensystem Kredite zu Minizinsen im Rahmen ihres Programms einer langfristigen Refinanzierung leicht erhaeltlich gemacht. Doch sowohl der griechische Schuldenschnitt als auch die EZB-Massnahmen werden sich laut Buiter lediglich als kurzfristige Hilfsmaneuver erweisen. Die Finanzmaerkte haetten nun wieder ein wenig Luft zum Atmen, wie Buiter gegenueber cnbc.com erklaerte. Das Programm zur langfristigen Refinanzierung von Europas Banken durch die EZB habe das unterliegende Problem jedoch in keiner Weise geloest, weshalb das Schlimmste auf Europa erst noch zukommen wird. Das langsame Wirtschaftswachstum oder der Rueckfall in eine Rezession in vielen Laendern des Kontinents fuehrten nun zu einer hartnaeckig hohen Arbeitslosigkeit sowie fehlgeleiteten Fiskal- und Arbeitsmarktstrategien der Politik, die nicht leicht umzukehren seien.

Waehrend Griechenland sich nun ein wenig Luft verschafft habe, wuerden andere Staaten Europas ins Rampenlicht der globalen Finanzmaerkte geraten. Es werde nicht nur in Griechenland zu einer weiteren Restrukturierung der ausstehenden Staatsschulden kommen, sondern mit Sicherheit auch in Portugal. Darueber hinaus drohe den Bondanlegern dasselbe Schicksal in Irland. Im Auge zu behalten sei vor allem die Situation in Spanien, wo sich die Staatsfinanzen in juengster Vergangenheit drastisch verschlechtert haben, wie Buiter warnte. Fed-Chef Bernanke teilte zuletzt mit, dass Europas Staatsschuldenkrise sich ein wenig abgeschwaecht habe. Allerdings warnte Bernanke vor der Verwundbarkeit amerikanischer Geldmarktfonds, falls die Krise in der Region wieder an Fahrt aufnehmen sollte.

Sowohl die fiskalischen als auch oekonomischen Bedingungen blieben schwierig in Europa, und es sei kritisch, dass die politische Fuehrung des Kontinents ihre aktuellen Leitlinien beibehalte, wodurch eine langfristige Stabilisierung des Wirtschaftsraums nahezu unmoeglich sei, wie Bernanke im Rahmen einer Anhoerung vor dem US-Repraesentantenhaus mitteilte. Amerikanische Finanzfirmen und Geldmarktfonds haetten Zeit gehabt, um ihre Positionen in europaeischen Staats- und Bankanleihen anzupassen und ihre Risiken besser abzusichern. Allerdings habe sich an dem Risiko einer Ausbreitung der Staatsschuldenkrise in Europa nichts geaendert, weshalb die Aufsichtsbehoerden wachsam bleiben muessten, um diese Risiken so gut wie moeglich unter Kontrolle zu bringen.