JPMorgan weist Ottonormalkunden die Tür

Die verabschiedeten Reformen an den Finanzmärkten, die damit einhergehenden Regulierungen und steigenden Bankgebühren machen es für Amerikas größtes Bankinstitut angeblich zu teuer, Ottonormalverbraucher weiter als Kunden zu behalten. Kunden mit weniger als $100,000 in Spareinlagen und Investments sind für JPMorgan jetzt nicht mehr länger profitabel. Ähnliche Töne hatte man vor Ausbruch der Finanzkrise schon einmal durch die Deutsche Bank vernommen. Das Resultat ist bekannt: während man die Kleinkunden damals in die eigens gegründete Bank 24 abschob, betteln deutsche Großbanken seit einiger Zeit wieder um die Einlagen von Normalkunden.
Was die Kampagne Move your Money nicht fertigbrachte, erledigt JPMorgan nun selbst: Kleinsparer haben die einmalige Chance, sich eine finanziell gesunde und nicht in dubiose Geschäfte verstrickte Regionalbank zu suchen, um ihr Kapital endlich außerhalb der Großbanken zu veranlagen

JPMorgan erwirtschaftet einem Großteil der jährlich anfallenden Erträge aus dem Geschäft mit Bankkunden – über 55% auf Basis wohlhabender Kunden, die über Einlagen in Höhe von mehr als $100.000 verfügen. Die neuen Finanzmarktregeln schmälerten die Alternativen für große Konsumbanken, um ihre Erträge zu erhöhen, wie JPMorgan gegenüber den Aktionären der Bank bekannt gab. Durch die verfolgte Leitlinie werde man sich sicher nicht mit Ruhm bekleckern, wohingegen sich JPMorgan jedoch für die Zukunft positionieren müsse.

Der nun eingeschlagene Weg werde Konsequenzen für Kunden haben, die nicht über ausreichende Finanzrücklagen verfügten. Die im Zuge der durch die Obama-Regierung verabschiedeten Finanzmarktreformen haben vor allem Druck auf die Gebühren ausgeübt, die Banken im Kredit- und Kundenkartensektor aufrufen dürfen. Da die Kosten der Institute trotz neuer Entlassungswellen jedoch nahezu dieselben geblieben sind, müssen Einsparungen in anderen Bereichen vorgenommen werden.

Jamie Dimon, Chef von JPMorgan, schilderte im Rahmen einer Präsentation für die Aktionäre den starken Gegenwind, denen sich die Finanzindustrie insgesamt an den Märkten ausgesetzt sehe. Dazu gehörten vor allem eine stärkere Regulierung und eine unberechenbare Entwicklung an den Märkten. Dimon wies ebenfalls darauf hin, dass die Bonuszahlungen an der Wall Street im Jahr 2011 um 30% gekürzt wurden, was ein Vorläufer für zukünftige Änderungen in der Bezahlung der Bankangestellten sein könnte.

Laut Dimon werde es für JPMorgan in den nächsten Jahren eine größere Rolle spielen, das Kapitalpolster der Bank zu stärken, anstatt eine jährliche Dividendenerhöhung von 25 Cents pro Aktie anzukündigen. Am 15. März werden Amerikas Großbanken die Ergebnisse aus den jüngst durch die Aufsichtsbehörden durchgeführten Stresstests veröffentlicht.

Dimon und andere Vorstände von JPMorgan teilten überdies mit, dass sie nicht mit der Ansicht von Analyst Mike Mayo übereinstimmen, dessen Vorschläge eine Zerschlagung der amerikanischen Großbanken vorsehen. Dadurch würden nicht nur die im Finanzsystem bestehenden Risiken verringert, sondern die entsprechenden Einzelteile hätten laut Mayo auch einen höheren Wert für die Aktionäre. Laut Dimon seien diese Geschäftseinheiten jedoch über einen langen Zeitraum aufgebaut und integriert worden.

Seine Bank profitiere heute enorm von dieser Strategie. Wundern sollten einen derartige Aussagen seitens eines Monopolisten selbstverständlich nicht. Denn wer gibt schon gerne eine solche Machtfülle wieder freiwillig aus den Händen? Solange die US-Großbanken sowohl republikanische als auch demokratische Regierungen in ihrer Tasche haben, besteht keine Notwendigkeit zum Umdenken.

Schließlich haben die too-big-to-fail Banken durch die Verabschiedung des Bankenrettungsprogramms TARP im Jahr 2008 einen Präzedenzfall geschaffen. Wann immer man sich in der Zukunft verspekuliert, greift man abermals in die Taschen der Steuerzahler, denen man als Dank – zumindest im Falle der Ottonormalbürger – nun die Tür weist und ihnen aufträgt, bitte Kunde einer anderen Bank zu werden. Dass eine derartige Arroganz sich nicht auszahlt, hatte das Beispiel der Deutsche Bank gezeigt, die ihre Retail Kunden einst in die Bank 24 auslagerte. Viele Kunden haben die Bank daraufhin in Richtung der Sparkassen verlassen.

Einmal dort gelandet haben die Kunden schnell eingesehen, dass die Sparkassen nicht nur in der Fläche überall präsent sind, sondern die benötigten Finanzdienstleistungen auch oftmals zu einem günstigeren Preis anbieten. Das Management von JPMorgan wird diese Erfahrung sicherlich auch noch machen.